Porträt Nr. 3: Singapur

Singapur – Stadt der Superlative 

Flächenmäßig gerade einmal so groß wie Hamburg, ist Singapur Stadt und Land zugleich und damit der kleinste Staat in Südostasien. Mit 4 offiziellen Amtssprachen, einer hohen kulturellen Vielfalt sowie einer vorausschauenden Stadtplanung, die auf dem Grundsatz der Nachhaltigkeit beruht, gilt die ehemalige britische Kolonie als Vorbild einer intelligenten Stadt. In der Studie  „Global Liveable Cities Index“ erreicht Singapur Platz 3 der lebenswertesten Städte weltweit.

Rasanter Aufstieg zur Weltmetropole

Knappe Nutzflächen und begrenzte Ressourcen bei einer gleichzeitig stark wachsenden Bevölkerung haben den Stadtstaat bereits Anfang der 1990er Jahre veranlasst, die Weichen für eine ganzheitlich orientierte Stadtentwicklung zu stellen. Durch die verstärkte Nutzung von intelligenten Technologien, zu denen unter anderem das Sammeln und Vernetzen von Daten gehört, hat Singapur eine Reihe innovativer Lösungen in den Bereichen Stadtplanung, umwelt-
freundliches Bauen und intelligente Mobilität auf den Weg gebracht. Heute versteht sich Singapur als eine Art
„lebendiges Labor“ für zukunftsweisende Smart-City-Konzepte und hat sich als führendes Finanz- und Wirtschaftszentrum in Südostasien etabliert.

Bild 1: Das Mega-Hotel „Marina Bay Sands“ im Stadtviertel „Marina Bay“ wirkt wie ein gigantisches Schiff auf drei Türmen und ist eines von vielen architektonischen Wahrzeichen von Singapur.
Bild 2: Das wasserspeiende „Merlion“-Fabelwesen mit dem Kopf eines Löwen und dem Körper eines Fisches ist der Schutzpatron der Stadt. Es soll Singapurs Stärke und die besondere Verbindung zum Meer symbolisieren.
Bild 3: Balkonartige Gärten schmücken die Fassade des Park Royal Luxus-Hotels, das als „Green Building“ ausgezeichnet ist.
Bild 4: Die 2,5 Kilometer lange Orchard Road ist die Einkaufsmeile in Singapur. Eine Vielzahl an Designer-Boutiquen und Shopping-Center bieten pures Einkaufsvergnügen.
Bild 5: In der Parkanlage „Gardens by the Bay“ ziehen bis zu fünfzig Meter hohe „Supertrees“ die Blicke auf sich.
Bild 6: Buddhistische, chinesische, hinduistische und islamische Feste werden in Singapur ausgiebig gefeiert: Ganze Stadtviertel schmücken sich mit bunten Laternen, Mandalas und Blumengestecken.
Bild 7: Das vom Architekten Moshe Safdie entworfene ArtScience Museum erinnert mit seiner einzigartigen Architektur an eine Lotusblüte und gehört zu den meistbesuchten Museen in Singapur.
Bilder: Fotolia, Singapore Tourism Board/Vincent Chong, Andrew Tan.
 

Vorbild einer intelligenten Stadt

Bauboom über und unter der Erde

In Singapur leben auf einer Fläche von 700 Quadratkilometern derzeit 5,3 Millionen Menschen, die Bevölkerungsdichte liegt bei rund 8.000 Einwohner je Quadratkilometer. Laut aktuellem Flächennutzungsplan „Land Use Plan 2030“ geht die Regierung von einer Bevölkerungszunahme auf 6,9 Millionen Menschen im Jahr 2030 aus.
Mit ehrgeizigen Bauvorhaben, darunter 700.000 Wohnungen und einer Vergrößerung der Landfläche durch Aufschüttungen auf 800 Quadratkilometern, will die Tropen-Metropole diese Herausforderungen bewältigen. Den hohen Ansprüchen der Bevölkerung an ein modernes urbanes Ambiente mit hoher Lebensqualität sollen kurze Wege und die Verbindung der Funktionen Arbeit, Wohnen und Freizeit gerecht werden. Weitere städtebauliche Maßnahmen umfassen unter anderem die fußgängerfreundliche Erschließung der Cityerweiterung mit „Walkways“ und Promenaden, reichlich Grünflächen, Sporteinrichtungen sowie eine sehr gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel.
Auch unterirdisch soll zukünftig neue Nutzfläche entstehen: Ein erwägter  „Underground Masterplan“ sieht Shoppingzentren, Forschungseinrichtungen und auch Fahrradwege unter der Erde vor. Geplant ist darüber hinaus, das Abfallaufkommen über ein Röhrensystem zu Müllverbrennungsanlagen zu leiten.

„Green Buildings“ erobern die Stadt

Zur Optimierung der Energieeffizienz bei Neubauten wird zunehmend nach ökologischen Gesichtspunkten gebaut. „Grüne“ Bauelemente wie Solarpaneele, begrünte Gebäudeflächen, LED-Beleuchtungen sowie energieeffiziente Klimaanlagen sollen in Kombination mit intelligenten Steuerungs- und Kontrollsystemen den Gesamt-Energieverbrauch von Gebäuden nachhaltig reduzieren. Erfüllen neue Gebäude die vorgegebenen Standards für ökologisches Bauen, erhalten sie von der „Building and Construction Authority“ (BCA) die „Green Mark“-Zertifizierung. Bis zum Jahr 2030 sollen laut staatlicher Vorgabe 80 Prozent der Bestands- und Neubauten als energie- und ressourcenschonende „Green Buildings“ ausgewiesen sein. 

Hochentwickelter Nahverkehr

Das weit verzweigte öffentliche Verkehrsnetz mit dem U-Bahn-System MRT (Mass Rapid Transport) und den Stadtbussen gehört zu den fortschrittlichsten der Welt und gewährleistet eine zuverlässige Anbindung zu allen Winkeln der Insel.
Um den Passagieren nützliche Informationen zum Verkehrsbetrieb in Echtzeit anzubieten, sammeln mobile und stationäre Sensoren, etwa an Verkehrsampeln, sowie Kameras riesige Mengen an digitalen Informationen. So können die Fahrgäste beispielsweise auf ihrem Handy erfahren, wann die nächsten Busse eintreffen und wie voll besetzt die Fahrzeuge sind.
Zusätzlich haben die Verkehrsbetriebe mittels elektronischer Fahrkarten die Auslastung der Strecken im Blick. So können bei Bedarf Express-Busse eingesetzt oder zusätzliche Bus-Fahrspuren mithilfe von Überkopfwegweisern eingerichtet werden.
Angesichts des modernen öffentlichen Verkehrssystems besitzt nur 10 Prozent der Singapurer Bevölkerung ein eigenes Auto. Schließlich sind damit hohe Kosten verbunden: Neben einer Sondersteuer muss zunächst eine zehn Jahre gültige Autolizenz erworben werden. Zusätzlich fallen bei jeder Fahrt ins Stadtzentrum Straßengebühren an.

Attraktives Freizeit- und Kulturangebot 

Gartenstadtcharakter sorgt für Wohlfühlambiente

Einen angenehmen Ausgleich zu den extrem dicht besiedelten Stadtteilen schaffen 300 Parks und Gärten, die sich etwa auf die Hälfte des Stadtgebietes verteilen. Mit dem reizvollen Wechsel aus üppiger Wildnis und formal angelegten Bereichen bieten sie einen hohen Erholungswert und sind beliebte Orte für ausgedehnte Spaziergänge oder sportliche Aktivitäten wie Tai-Chi.
Ihrem Ziel, eine „Stadt im Garten“ zu werden, ist Singapur mit dem jüngsten Projekt „Gardens by the Bay“ einen großen Schritt näher gekommen: Die 100 Hektar große Parkanlage an der Marina Bay – einem künstlich aufgeschütteten Stadtteil in der Meeresbucht – beeindruckt durch mehrere bis zu 50 Meter hohe „Supertrees“. Die begrünten Stahlbäume sind durch Fußgängerbrücken miteinander verbunden und verfügen zum Teil über Solaranlagen, die den Strom für die stimmungsvolle nächtliche Beleuchtung bereitstellen.

Jeden Monat ein Fest

Die Fülle an Kulturen und Einflüssen lässt kaum einen Monat ohne ein Fest vergehen: Neben Singapurs gesetzlichen Feiertagen werden auch buddhistische,  chinesische, hinduistische und islamische Festtage feierlich begangen.
Schon zu Jahresbeginn steht mit dem chinesischen Neujahr eines der wichtigsten Feste an. Besonders in Chinatown herrscht dann für eine Woche Ausnahme-zustand: Rote Laternen und leuchtende Drachen verheißen Glück an jeder Ecke.
Darüber hinaus ist Singapur bestrebt, zur führenden Kunstmetropole Asiens aufzusteigen. Zahlreiche Neubauten von Museen, Konzertsälen und Theatern erlauben Gastspiele auf internationalem Niveau und sind zur festen Bühne für asiatische und internationale Künstler geworden.

"Lebendiges Labor" für Smart-City-Lösungen

Universitätscampus als Testumgebung

Singapurs dynamisches Umfeld bietet insbesondere ausländischen Technologieunternehmen umfangreiche Chancen, um technologische Innovationen vor Ort zu entwickeln und anzuwenden. Die enge Kooperation zwischen staatlichen Organi-sationen, wie das Singapore Economic Development Board (EDB), Bildungs-einrichtungen und privaten Unternehmen schafft dafür einen optimalen Rahmen.
Ein Beispiel ist der EcoCampus der Nanyang Technological University (NTU): Unternehmen können in eigens zur Verfügung gestellten Versuchsgebäuden innovative urbane Lösungen, etwa zur Reduzierung des Energie- und Wasserverbrauchs sowie des Müllaufkommens in Gebäuden, testen und zur Marktreife bringen.
Damit baut Singapur seine Expertise für effiziente Smart-City-Lösungen kontinuierlich aus und nimmt eine Vorreiterrolle bei ihrer Umsetzung ein.

Weitere Informationen

www.yoursingapore.com – Offizielle Website von Singapur
www.singapur.net – Reiseinformationsportal zu Singapur