Porträt Nr. 4: Kopenhagen

Kopenhagen: Smart City
auf Wachstumskurs

Die Meeresbrise in der Nase, die Ostsee vor der Tür: Wasser prägt maßgeblich das Bild der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, die für ihre hohe Lebensqualität schon mehrfach ausgezeichnet worden ist. Dass es sich hier gut leben lässt, wird durch die Studie „Global Liveable Cities Index“, in der Kopenhagen Platz 4 der 10 lebenswertesten Städte weltweit belegt, abermals dokumentiert. 
Wir stellen Ihnen das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Dänemarks in einem Porträt vor.

"Grünes Labor" für nachhaltige Stadtentwicklung

Kopenhagen gehört zu den bedeutendsten Metropolen Nordeuropas. Im Großraum Kopenhagen leben 1,6 Millionen Menschen, im eigentlichen Stadtgebiet gut eine halbe Million. Ihre Attraktivität verdankt die Hafenstadt – neben ihrer reizvollen landschaftlichen Lage – einer ganzheitlichen Stadtentwicklung, die seit den 1990er Jahre die Belange der Bürger und der Umwelt in den Mittelpunkt stellt.

Bild 1: Wasserkanäle und Weltklasse-Architektur prägen Kopenhagens Stadtbild.
Bild 2: Auf dem "Amanger Square" – ein lebendiger Platz inmitten der Einkaufsmeile Strøget – herrscht reges Treiben.
Bild 3: Die farbenfrohen Giebelhäuser am Hafen des Stadtteils Nyhavn stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Bild 4: Schloss Amalienborg, ein Rokoko-Bau aus dem 17. Jahrhundert, ist die Stadt-Residenz der dänischen Königsfamilie.
Bild 5: Tivoli ist der zweitälteste Vergnügungspark der Welt und eine der Hauptattraktionen Kopenhagens.
Bild 6: Kopenhagen ist eine Fahrradmetropole: 36 Prozent der Berufstätigen fahren täglich mit dem Rad zur Arbeit.
Bild 7: Die stillgelegten früheren Hafenareale im Zentrum werden derzeit zu neuen, maritimen Wohnquartieren umgestaltet.
Bilder: Fotolia (4), Copenhagen Media Center/Jens Lindhe, Ty Stange, Kasper Thye.

Vorreiter in der Smart City-Bewegung

Auszeichnung mit dem "Smart City Award 2014"

In den vergangenen Jahrzehnten hat Kopenhagen viel in die Stadtentwicklung investiert: Öffentliche Plätze wurden aufgewertet, Radwege ausgebaut und Grünräume geschaffen. Die Energiegewinnung wird sukzessive von Kohle und Öl auf Wind und Biomasse umgestellt. Die innovativen Strategien in den Bereichen Umwelt, Mobilität und Energie haben Kopenhagen heute eine Führungsposition in der Smart City-Bewegung eingebracht.
So nutzt das Kopenhagener Projekt „Copenhagen Connecting“ eine Fülle an Daten von beispielsweise GPS-Geräten in öffentlichen Bussen und Sensoren in Mülltonnen, um intelligente digitale Lösungen zur Verringerung der Verkehrsüberlastung sowie der Umweltverschmutzung zu entwickeln. Die nachhaltigen Konzepte der Stadt verstehen sich beispielhaft für andere europäischen Großstädte und wurden auf der Smart City Expo-Messe 2014 in Barcelona mit dem „Smart City Award“ prämiert.

"Grüne Hauptstadt Europas 2014"

Für ihr vorbildliches Engagement im Umwelt- und Klimaschutz ist Kopenhagen von der Europäischen Kommission zur
„Grünen Hauptstadt Europas 2014“ ernannt worden. Der seit 2010 jährlich vergebene Titel würdigt städtische Konzepte, denen es in besonderer Weise gelingt, Umweltschutz und wirtschaftliches Wachstum mit einer hervorragenden Lebensqualität ihrer Einwohner zu verbinden.
Kopenhagen wurde unter anderem für die gute Fahrrad-Infrastruktur, die nahezu flächendeckende Energieversorgung durch Fernwärme sowie für den Rückgang der CO2-Emissionen um 24 Prozent zwischen 2005 und 2012 ausgezeichnet.
„Diese Auszeichnung ist eine internationale Anerkennung der gezielten Bemühungen Kopenhagens, eine grüne und nachhaltige Stadt mit hoher Lebensqualität zu schaffen“, erklärte Frank Jensen, Oberbürgermeister von Kopenhagen, anlässlich der Preisverleihung Ende 2013 in Brüssel.

Ziel bis 2025: Erste klimaneutrale Hauptstadt der Welt

Umweltschutz hat Priorität

Zu den ambitionierten umweltpolitischen Zielen der Stadt Kopenhagen gehört das Vorhaben, bis zum Jahr 2025 vollkommen klimaneutral zu sein. Den Weg dorthin regelt ein „Climate Plan“, etwa durch Standards für nachhaltiges Bauen, Richtlinien zur Energieeffizienz sowie ein gut ausgebautes Nahverkehrs- und Radwegenetz.

Radfahren gehört zum Lifestyle

Ob zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Stadtbummel: Täglich werden in Kopenhagen mehr als 1 Million Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt. Beste Rahmenbedingungen bieten die 350 Kilometer umfassenden Radwege, die ebenfalls bis zum Jahr 2025 auf 500 Kilometer erweitert werden sollen.
Einen besonderen Service gibt es für Besucher: An den vielen Radstationen im Zentrum stehen Stadtfahrräder – sogenannte „Bycykler“ – kostenlos zum Ausleihen bereit.

Naherholungsgebiete binnen 15 Minuten erreichbar

Grünflächen und Naherholungsgebiete machen einen Großteil des Stadtgebietes aus. Viele Museen und Schlösser sind von weitläufigen Parkanlagen umgeben, die den Einwohnern reichlich Raum zum Erholen bieten. Dank der überschaubaren Innenstadt und kurzen Wegen sind viele Parks fußläufig in nur 15 Minuten erreichbar.

Grüne Energiewende in vollem Gang

In Kopenhagen werden 98 Prozent der Haushalte über ein Fernwärmesystem mit Energie versorgt, die zum Großteil noch aus fossilen Energieträgern wie Kohle und Öl gewonnen wird. Der Anteil der „grünen“ Fernwärme soll kontinuierlich zunehmen: Angestrebt wird bis zum Jahr 2020 ein Anteil von 30 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. Bis zum Jahr 2050 soll die Energieversorgung komplett auf Windkraft, Erdgas und Biomasse umgestellt sein.
Etwa 4 Prozent der in Kopenhagen benötigten Energie wird derzeit in der wenige Kilometer entfernten Windfarm „Middelgrunden“ hergestellt. Die Anlage ist ein genossenschaftliches Projekt, an dem jeweils zu 50 Prozent der kommunale Energieversorger „Copenhagen Energy“ sowie kleine private Gesellschafter beteiligt sind. Das Engagement von Bürgern in derartigen Windenergie-Projekten belohnt die dänische Regierung mit Steuererleichterungen.

Kopenhagen wächst am Wasser

Als ausgesprochen lebenswerte Stadt zieht Kopenhagen immer mehr Menschen an: Bis  zum Jahr 2050 rechnet die Stadt in ihren zentralen Gebieten mit einem Zuwachs von 50.000 Menschen, das entspricht einem Bevölkerungswachstum von bis zu 10 Prozent. Den zukünftigen demographischen Herausforderungen nimmt sich Kopenhagen bereits heute an und hat auf dem Areal des stillgelegten früheren Fähr- und Industriehafens im Stadtzentrum gleich mehrere Baugebiete für attraktive neue Stadtteile ausgewiesen.

Bild 1: Im maritimen Quartier "Nordhavn" entsteht in den kommenden Jahrzehnten Wohnraum für 40.000 Menschen 
Bild 2 und 3: Leben am und auf dem Wasser: Die hohe Gebäudedichte im ersten Bauabschnitt "Arhusgade" in Nordhavn werden durch einladende Aufenthaltsbereiche am Wasser aufgelockert.
Bilder: Cobe Sleth Polyform Rambøll

Nordhavn - Maritimer Stadtteil für 40.000 Menschen

Eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Skandinavien

Zu den neu entstehenden Quartieren gehört der Bezirk „Nordhavn“, der nördlich an den Stadtteil Oesterbro anschließt. Innerhalb der kommenden 3 bis 4 Jahrzehnte sollen hier Wohnhäuser für 40.000 Menschen und genau so viele Arbeitsplätze entstehen.
Wesentliche Merkmale der Quartiersgestaltung ist eine dichte Stadtstruktur aus Niedrigenergiehäusern mit kurzen Wegen zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Einkaufsmöglichkeiten und einladenden Aufenthaltsbereichen direkt am Wasser.
Die Strom- und Wärmeversorgung sollen erneuerbare Energieträger wie Windkraft, Geothermie und Biomasse gewährleisten. Damit unterstützt auch Nordhavn das übergeordnete Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2025.

Weitere Informationen

Offizielle Website der Stadt Kopenhagen: http://www.visitcopenhagen.de