21. Januar 2014

Experten-Interview:
Stadtgestaltung mit Licht

Durchdachte Lichtlösungen sind ein Gewinn für jede Stadt. Denn Beleuchtung beschränkt sich längst nicht mehr auf reine Funktionalität. Durch optisch ansprechende Leuchten werden öffentliche Bereiche mehr und mehr und sichtbar aufgewertet. Über diesen nachhaltigen Trend und darüber, wie städtische Strukturen durch individuelle Lichtlösungen attraktiver gestaltet werden können, haben wir mit Lichtplaner Oliver Christen aus Diepholz gesprochen.

"Licht spielt für die Stadtgestaltung von morgen eine entscheidende Rolle"

1. In Städten und Kommunen wird der öffentlichen Beleuchtung neben der Funktionalität zunehmend ein gestalterischer Aspekt zugesprochen. Erfährt die öffentliche Beleuchtung gegenwärtig einen Bedeutungswandel?

Der Wandel ist seit einigen Jahren in vollem Gange. Sowohl in Großstädten, aber genauso auch in kleineren Kommunen ist die Bedeutung einer ansprechenden Gestaltung der Umwelt und damit auch der öffentlichen Beleuchtung ein wichtiger Aspekt geworden. Hier kann durch modernes Design von Licht und Leuchten die Aufenthalts- und damit die Wohlfühlqualität in Städten und Gemeinden gesteigert werden.

2. Wird sich dieser Trend in Zukunft verstärken?

Bei steigendem Wettbewerb der Kommunen untereinander ist davon auszugehen. Grundsätzlich ist festzustellen, dass  die Steigerung von Lebensqualität eine zunehmend wichtige Rolle spielt  und die Aufwertung des öffentlichen Raumes durch Verwaltung oder private Investoren mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Vielleicht werden hier in Zukunft neue Innenstadtkonzepte mit deutlich gesteigerter Aufenthaltsqualität wieder zu mehr sozialen Lebenszentren führen. 
Licht spielt für die Stadtgestaltung von morgen eine entscheidende Rolle. Und ganzheitliche und durchgängige Konzepte ermöglichen es den Planern, Bereiche mit einem hohen Wohlfühlambiente zu erschaffen. Das schließt passendes Stadtmobiliar mit ein. 

3. Wie lassen sich die Kriterien der Funktionalität und des Designs bei einer Außenleuchte in Einklang bringen?

form follows function. Nach diesem Prinzip sollte die Funktion vor dem Design stehen bzw. Funktion und Design sollten sich möglichst ergänzen. Dass dies jedoch kein Widerspruch sein muss, können wir seit Jahren an vielen gut gestalteten Leuchten sehen, bei denen sich Material, Verarbeitung und Lichttechnik im Einklang befinden.
Mit der LED-Technologie ergeben sich heute vielfältige Möglichkeiten durch die kleinen Bauformen und die lichttechnischen Vorteile wie Dimmung oder farbveränderbare Systeme. Die LED erfordert dabei allerdings große Aufmerksamkeit in Bezug auf Kühlung und elektronische Bauteile. Hier gilt es, diese Komponenten geschickt in die Gestaltung der Leuchten zu integrieren und sowohl die lichttechnischen Anforderungen in der Nacht als auch die gestalterischen Ansprüche bei Tag zu erfüllen.
Meines Erachtens wird der Spielraum des Leuchtendesigns durch die LED deutlich größer. In Zukunft wird es ein deutlich breiteres Angebot an modularen Systemen bzw. flexibleren Leuchtenfamilien geben. Auch Leuchtenklassiker können in der Zukunft als technisch moderne Systeme weiter eingesetzt werden und erleichtern Kommunen dadurch den Um- und Einstieg in die LED-Technologie.

4. Um vorhandene urbane Strukturen und ihre Besonderheiten mit öffentlichen Lichtanlagen hervorzuheben, bedarf es häufig maßgeschneiderter Lichtkonzepte, die speziell für diese Lebensräume entwickelt worden sind. Welche Herausforderungen gilt es dabei zu meistern?

Nach der Ermittlung aller Nutzungskriterien für die Beleuchtung gewinnen heute auch weitere Parameter immer mehr an Bedeutung. So sehen wir uns nicht nur der Kombination verschiedener lichttechnischer Systeme in einem Leuchtengehäuse gegenüber, für die wir immer häufiger spezifische Sonderlösungen benötigen, sondern müssen auch neue Komponenten wie Ladestationen, Taxirufsysteme, Fahrplanauskunft oder weitere neue Informationsmedien in den Gestaltungselementen platzieren. Multifunktionalität ist hier ein Schlagwort.

5. Welche Vorteile bieten individuelle Lichtlösungen langfristig für Städte und Gemeinden?

Moderne Lichtkonzepte mit LED-Technologie und der damit verbunden interaktiven oder „anpassbaren“ Beleuchtung können die Entwicklung von Innenstädten positiv unterstützen. Ein gutes Konzept sollte die Historie von urbanen Räumen genauso berücksichtigen wie ihre aktuelle oder zukünftige Entwicklung.
Dabei ist die Verwendung individueller Lichtlösungen eine hervorragende Möglichkeit, um die Attraktivität und die Lebensqualität in einer Stadt zu steigern. Mit einem besonderen Leuchtendesign lassen sich stadtspezifische Besonderheiten akzentuieren. Das trägt auch entscheidend zur Profilierung einer Stadt oder Gemeinde bei.

Dipl.-Ing. Oliver Christen

OC | Lichtplanung, Diepholz 

Der unabhängige Lichtplaner hat sich mit seinem Büro OC | Lichtplanung in Diepholz auf Kommunal- und Architekturbeleuchtung spezialisiert. Er berät und betreut Städte und Kommunen in allen Fragen rund um das Thema energieeffiziente Lichtplanung von der Idee bis zur konkreten Umsetzung. Zu seinen jüngst abgeschlossenen Projekten gehören die Lichtkonzepte für das Gelände des Heimatmuseums in Rotenburg (Wümme) sowie für die Wandelhalle auf Borkum. Derzeit arbeitet er an der Lichtgestaltung für den Schlossplatz in Varel und an der interaktiven Straßenbeleuchtung
in Aurich.
OC | Lichtplanung
Kurzer Weg 1, 49356 Diepholz
Telefon 0 54 41/99 54-35, Fax -36
E-Mail: oliver.christen@oc-lichtplanung.de
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