Im Gespräch mit:

Kai-Uwe Huonker (SVS) über die LED-Umrüstung in Villingen-Schwenningen

Die Stadtwerke Villingen-Schwenningen (SVS) haben sich seit vielen Jahren auch auf das Thema Straßenbeleuchtung spezialisiert und setzen aktuell das nach BMU größte LED-Umrüstungsprojekt in Deutschland um. Wir haben mit
Kai-Uwe Huonker, Abteilungsleiter Energiedienstleistungen bei den SVS, über die Straßenbeleuchtung im Allgemeinen sowie über das Projekt in Villingen-Schwenningen gesprochen.

Als regionales Energieversorgungsunternehmen besitzen die SVS umfangreiches Know-how im Bereich Straßenbeleuchtung. Seit wann ist das eines Ihrer Steckenpferde und warum?

Wir beschäftigen uns seit Gründung der  Stadtwerke Villingen-Schwenningen im Jahr 1972 intensiv mit der Straßen-
beleuchtung. Auch war es für uns schon immer wichtig, regional das Thema Betriebsführung anzubieten. Im Zuge der LED-Einführung im Jahr 2011 durch den Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und  Forschung „Kommune im neuen Licht“, wo hier ein interkommunales Projekt gestartet wurde, hatten wir Gelegenheit, verschiedene LED-Projekte durchzuführen.
Dies hat uns umfängliche Erfahrungen im Bereich der LED gebracht, welche wir später auch bei anderen Kommunen einbringen konnten. Damit war die Idee geboren, hier-aus ein eigenständiges Geschäftsfeld zu  erschließen – und auch außerhalb unseres Geschäftsgebietes aktiv zu werden.

Das heißt, Sie setzen auch für andere Städte bzw. Stadtwerke Straßenbeleuchtungs-
projekte um. Welche Vorteile haben diese hierdurch?

Auf unserem Betriebsgelände hatten wir  bereits im Jahr 2006 eine erste LED-Teststrecke. Im Jahr 2010 – mit Leuchten von  Hess – konnten wir in Schwenningen die erste wirkliche Teststrecke im Netz in  Echtanwendung in Betrieb nehmen. Insofern profitieren andere Städte und Stadtwerke von den Erfahrungen – und auch von den Fehlern – die wir gemacht haben. Wir können wertvolle Beiträge leisten. 
Wir entwickeln für Städte und Stadtwerke Konzepte, die in sich schlüssig sind und bieten auch einzelne Komponenten an – von der Datenerfassung über Konzeptentwicklung bis hin zu der gesamten Bauabwicklung. Am Ende des Tages übergeben wir den Städten oder den Stadtwerken eine fertige und komplette Anlage.

Für welche Städte bzw. Stadtwerke waren bzw. sind Sie schon aktiv? 

Größere Projekte haben wir für die Stadt Singen, für Alzey und Wiesloch umgesetzt. Aktuell arbeiten wir für Sachsenheim (rund 18.000 Einwohner), Aldingen (rund 8.000 Einwohner) und Wildberg (rund 10.000 Einwohner). 

Ähneln sich die Beleuchtungskonzepte oder werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt?

Jedes Beleuchtungskonzept ist individuell! In jedem Projekt ermitteln wir die Bedürfnisse – und diese sind gänzlich unterschiedlich. Auch gibt es ganz individuelle Vorgaben, was beispielsweise erhaltenswerte Leuchten anbelangt – oder Strecken, die für eine intelligente Beleuchtung genutzt werden. Eines ist in aller Regel jedoch gleich: Die optimale Ausschöpfung der Energieeinsparung. Hier gilt es, das Potenzial vollumfänglich zu heben.
Aufgrund unterschiedlicher Anwendungen und Wünsche erarbeiten wir – wie gesagt – individuelle Konzepte.

Sie rüsten gerade Villingen-Schwenningen komplett auf LED um – rund 13.400 Lichtpunkten. Ist dies für Sie ein großes Projekt?

Definitiv – und zwar das größte Projekt, was wir bislang umgesetzt haben. Es ist aber auch nach BMU – in Relation auf eine Umsetzung binnen gerade einmal 2 Jahren – das größte Projekt in Deutschland. Wir setzen dabei auf 3 Leuchtenmodelle – allesamt von Hess. Das sorgt für ein einheitliches Stadtbild und spart zukünftig Kosten ein.

Wie viele Leuchten können Sie pro Tag umrüsten und wie ist der aktuelle Stand? 

Wir rüsten mit einem Team zwischen 25 und 30 Leuchten am Tag um. Zeitweise arbeiten wir mit 3-4 Teams pro Tag, so dass wir eine ordentliche Schlagzahl erreichen und sehr zügig vorankommen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf?

Ich bin sehr zufrieden. Die termingerechte Anlieferung der Leuchten seitens Hess klappt bestens. Und womit wir auch mehr als zufrieden sind ist das Ergebnis – und  damit mit der Lichtqualität. Man stellt im Vorfeld natürlich Berechnungen an – aber das Ergebnis selbst zu erleben und zu sehen, wie gut die Ausleuchtung wirklich geworden ist, ist was ganz anderes.
Auch hier spiegelt sich die Qualität des richtigen Partners, sprich des Leuchtenherstellers, wider.

Die Thüga AG (größter Zusammenschluss von kommunalen Energie- und Wasserversorgern in Deutschland) ist mit einem Anteil von 30 Prozent an der SVS beteiligt. Welche Vorteile ergeben sich dadurch für Sie? 

Die Thüga ist keine reine Kapitalbeteiligung. Vielmehr werden Beratungsdienstleistungen im gesamten Bereich der Versorgungswirtschaft angeboten, wie Rechtsauskünfte oder Benchmarks zu unterschiedlichen Themen. Auch gibt es einen Arbeitskreis explizit für die Straßenbeleuchtung, dem wir auch angehören. Hierdurch findet ein regelmäßiger Erfahrungs-
austausch statt. Das Netzwerk lebt von diesem  gegenseitigen Austausch. Die Thüga ist für uns ein sehr wichtiger Partner, weit über eine gemeinsame Materialbeschaffung hinaus.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung in punkto Beleuchtung und Straßen-
beleuchtungsnetz?  

Die LED hat mittlerweile viele Wünsche, die man an die Qualität und an die Langlebigkeit der Beleuchtung gestellt hatte, realisiert. Für die Zukunft denke ich, dass auf das Straßenbeleuchtungsnetz und auf die Anlagen eigenes zukommen wird. Sei es ein Verkehrsleitplan oder die Verkehrsführung, das autonome Fahren oder Feinstaubmessungen.
Die ganzen Themen werden sicher über das vorhandene Straßenbeleuchtungsnetz erfüllt werden und zu betreiben sein. Das wird definitiv ein eigenes Geschäftsfeld werden. Auch E-Mobilität wird in begrenztem Umfang über das Straßenbeleuchtungs-
netz möglich sein. Begrenzt deshalb, da aufgrund des  Querschnitts des Netzes eine hohe Energieübertragung, die notwendig ist, nicht möglich sein wird. Aber im Nischenbereich wird auch dies eine Rolle spielen.
WLAN und Hotspot-Anbindungen sind ja  bereits in aller Munde. Darüber hinaus werden sicherheitsrelevante Themen immer wichtiger, die über in die Beleuchtungsanlage integrierte Kameras abgebildet werden können. Hier sehe ich Bedarf an Brennpunkten wie Bahnhöfen und Kneipenmeilen. Insofern bin ich mir sicher, dass die Zukunft viele spannende und sinnvolle Optionen bringen wird, die wir in die Beleuchtungsanlagen integrieren werden.    
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Huonker.