15. Dezember 2016

Interview mit Serge Cornelissen, Designer des Licht-Systems ARINI

Ein einzigartiges Zusammenspiel aus Licht, Multifunktion und Design kennzeichnet das innovative
Licht-System ARINI von Hess.
Wir haben mit dem Designer der ARINI, Serge Cornelissen, über
die Entstehungsgeschichte, die Inspirationsquelle sowie die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten gesprochen.

1. Sie haben für Hess das Lichtsystem ARINI entwickelt. Welches Konzept steht dahinter?

Nun, meiner Meinung nach reichten die vorhandenen Lösungen nicht aus. Natürlich gibt es eine Vielzahl an intelligent entworfenen städtischen Beleuchtungskonzepten, doch ich finde, dass sie häufig nicht ausreichend zur visuellen Wirkung in ihrem städtischen Kontext beitragen. Deshalb war es mir wichtig, ein Design mit einer ganz besonderen Tagwirkung zu entwickeln. Denn sobald eine Leuchte installiert ist, ist sie auch tagsüber als Objekt vorhanden. Vor diesem Hintergrund  wollte ich die erforderlichen Funktionen mit einer Reihe an Designelementen kombinieren, die dazu beitragen, dass Menschen sich wohler fühlen.
Auf der Suche nach Inspiration in der Natur offenbarte sich die Form eines verzweigten Baumes als gute Basis – auch um verschiedene funktionale Objekte anbringen zu können.

2. Das Motto von ARINI lautet „inspired by nature“. Inwiefern stand die Natur
aus Ihrer Sicht Pate? 

Wenn Sie auf der Suche nach Gestaltungselementen sind, die dem Menschen ein Gefühl von Behaglichkeit vermitteln, dann lohnt sich meist ein Blick in die Natur. Dabei ist ein Baum, wie erwähnt, bereits ein guter Ausgangspunkt, doch als Gesamtkonzept reichte er nicht aus, um die von mir gewünschte Funktionalität und Flexibilität umzusetzen. Der Grundgedanke war die Umsetzung eines "Papageienkonzeptes": Ein Papagei ist ein sehr flexibler Vogel. Flexibel, da er unabhängig und farbenfroh ist und sich durch viele positive Eigenschaften auszeichnet. In diesem Grundgedanken konnte ich alle benötigten Aspekte zusammenfassen. Die Flexibilität bei der Farbgestaltung wie auch die Integration von Multifunktionalitäten, wie z.B. Lautsprecher und Kameras.

3. Außergewöhnlich ist auch das Design der ARINI. Was hat Sie hierzu animiert?

Passend zum Baum war es mir wichtig, eine organische Form zu haben. Dabei diente mir der Papagei als Vorbild. Gerne möchte ich auch auf ein Detail am hinteren Teil der Leuchtköpfe von ARINI hinweisen, die mit einer eigenen Beleuchtung versehen sein können. Ich habe mir eingebildet – vermutlich stimmt es nicht, denn ich bin kein Biologe – dass Papageien ihre Schwanzfedern auch dazu benutzen, um untereinander auf sich aufmerksam zu machen. Dieser Gedanke hat mich dazu inspiriert, diese „Schlusslichter“ zu entwerfen. Sie können die Aufmerksamkeit auch dann auf sich ziehen, wenn die Hauptbeleuchtung ausgeschaltet ist und bilden so ein weiteres Gestaltungsmerkmal.

4. Worin lag die Herausforderung bei der Entwicklung der ARINI?

Die größte Herausforderung bestand für mich darin, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen einer eleganten Form und dem für alle Komponenten benötigten Volumen zu finden. Obwohl der Leuchtenkopf recht voluminös wirkt, hat er eine perfekte Proportion.   Die Form mag relativ einfach aussehen, dennoch benötigten wir mehrere Anläufe, um dieses Design final zu entwickeln. Mit dem Ergebnis bin ich rundum zufrieden.

5. ARINI ist ein Kind unserer Zeit: Licht, Multifunktionalität und Design gehören
zu den wesentlichen Elementen. Wie haben Sie es geschafft, diese Elemente
in Einklang zu bringen?

Ich musste sie nicht in Einklang bringen, denn ein solcher Einklang, eine solche Harmonie war von Beginn an im Konzept vorhanden. Liegt ein derartiges Konzept von einem Baum und einem Vogel mit einer solchen Vorstellungskraft vor, fügen sich alle Elemente wie von selbst zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Das ist das Schöne daran.

6. Die Anforderungen an Licht sind mittlerweile gänzlich unterschiedlich.
Wozu setzen Sie Licht ein?

Für mich hat Licht nicht allein einen funktionalen Charakter, es ist auch ein Mittel, um emotionale Erlebnisse auszulösen. Mit den heutigen Möglichkeiten – insbesondere durch die LED – die Farbe, die Lichtintensität und die Art der Beleuchtung zu steuern, kann Licht diesen emotionalen Part erfüllen. Klar kann man mit Licht die Sichtbarkeit einer Umgebung verbessern, doch darüber hinaus kann man auch malen – malen mit Licht. Man kann bestimmte Elemente hervorheben, um die Aufmerksamkeit der Passanten bewusst oder unbewusst zu erregen. So dient ARINI nicht nur zur Beleuchtung von Straßen und Plätzen, ARINI schafft zugleich Emotionen und Atmosphäre.

7. WLAN, Lautsprecher oder Kamera – mit ARINI ist vieles möglich. Wozu all
diese Features?

Diese Multifunktionalität ist wesentlich, insbesondere mit Blick auf den globalen Trend der Urbanisierung. Heutzutage kommt kaum noch jemand ohne WLAN aus – daher ist es gut, wenn eine solche Funktion in ein Beleuchtungs-System integriert werden kann. Ähnlich verhält es sich mit Lautsprechern und Kameras: alle Elemente können in die gleichen Einheiten, in die gleiche Struktur und somit in das gleiche Design eingebaut werden. Für Architekten und Stadtplaner ist es äußerst nützlich, derart vielfältige Funktionen in einem einzigen Landschaftselement zu vereinen.

8. ARINI gibt es in unzähligen Varianten. Warum ist dies für Sie heutzutage so wichtig?

Weil keine Situation der anderen gleicht. Es gibt viele unterschiedliche Situationen, die jeweils eigene Anforderungen an die Beleuchtung stellen. Je flexibler ein System, umso mehr Aufgaben wird es gerecht. Je mehr Funktionen angeboten werden, umso größer wird das Anwendungsspektrum. So einfach ist das.  Und mit ARINI können wir mit einer Installation die unterschiedlichsten Bedürfnisse abdecken. Damit sorgen wir auch für Klarheit in urbanen Räumen.

9. Für welche Anwendungsgebiete ist ARINI konzipiert?

Zunächst für gut sichtbare Beleuchtungsanwendungen im städtischen Raum, wie beispielsweise für Plätze, Einkaufspassagen, Stadtparks und Gärten – aber auch Kreuzungen und Kreisverkehre.   Als ich das Design entwickelt habe, ist mir aber auch aufgefallen, dass ARINI auch ein großes Potenzial für kommerzielle Umgebungen besitzt, z.B. vor Verwaltungsgebäuden, Museen und Hotels. Ich kann mir gut vorstellen, dass Unternehmen mit dem Design der ARINI eine Botschaft über sich vermitteln. Eine ARINI auf dem Vorplatz eines Unternehmenssitzes schafft Eindruck – und bietet dank ihrer Multifunktionalität viele Vorteile.

Design(er) in Motion - sehen Sie hier das komplette Interview

Serge Cornelissen – Zur Person

Serge Cornelissen (Jahrgang 1970) hat Architektur am „Sint Lucas Institute“ in Ghent, Belgien, studiert und ist als erfolgreicher Produktdesigner für Innen- und Außenleuchten tätig.
Mit seinem 1993 gegründeten Designbüro „serge cornelissen“ hat er sich auf die Gestaltung zeitloser architektonische Leuchten und Lichtsysteme spezialisiert. Seine Entwürfe, die vielfach mit renommierten Design-Preisen wie den red dot design award ausgezeichnet worden sind, tragen keine eigene Design-Handschrift, sondern verstehen sich vielmehr als ästhetische und funktionale Elemente, die ein bestimmtes Licht- und Wohlfühlbedürfnis in einem architektonischen Kontext erfüllen.

ARINI Broschüre

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