Energieeffiziente Beleuchtung in Stuttgart

Energieeffiziente Beleuchtung

Stuttgart

Stuttgart hat begonnen, die Innenstadt ins „rechte Licht“ zu rücken. Dabei setzen die Planer auf Ästhetik und den technischen Fortschritt, der einen gezielten und energiesparenden Einsatz von Licht ermöglicht. Ein Paradebeispiel dafür ist Stuttgarts neue Zylinderleuchte. Sie wurde von Hess speziell für die Landeshauptstadt entwickelt.

Stuttgarts neue Cityleuchte - Schönes Licht zum halben Preis

„Der effiziente Einsatz von Energie im öffentlichen Raum ist ein wesentlicher Aspekt moderner Lichtplanung“, erklärt Stadtplaner Klaus Volkmer vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung in Stuttgart. Er setzte Ende der neunziger Jahre den Prozess zur Erstellung eines Lichtmasterplans für die Innenstadt in Gang. In einer interdisziplinären Arbeitsgruppe unter Federführung des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung mit dem externen Lichtplaner Uwe Knappschneider und seinem Büro Licht-Raum-Stadt, Vertretern der City-Initiative Stuttgart, Stuttgart-Marketing, des Kunstmuseum e.V., dem Tiefbauamt, dem Amt für Umweltschutz, der EnBW und des Landes Baden-Württemberg wurden die Grundzüge des Lichtmasterplans erarbeitet. Anfang 2006 konnte dieser als Planungsinstrument verabschiedet werden.
Energie- und kostenbewusstes Vorgehen
Mit dem Ziel einer ganzheitlichen Beleuchtungsstrategie zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt stehen die stadtbildenden Räume mit ihren Fußgängerbereichen, prägnanten Gebäuden, Plätzen und Parks im Mittelpunkt der Betrachtung. „Grundbeleuchtung wie auch die inszenierenden Anstrahlungen haben dafür zu sorgen, dass diese Räume das Nachtbild auf ästhetische Weise bereichern, Sicherheit vermitteln und die Orientierung erleichtern“, beschreibt Volkmer den dem Masterplan zugrundeliegenden Ansatz. Bei jeder Umsetzung ginge es neben gestalterischen Aspekten stets auch um den energiesparenden Einsatz von Licht, führt der Stadtplaner weiter aus.
Neue Cityleuchte
Die Analyse der bestehenden Beleuchtungsanlagen zeigte, dass die in den 70er Jahren eigens für die Landeshauptstadt konzipierte „Stuttgarter Kugelleuchte“ dieser Forderung längst nicht mehr genügte.Durch den Einsatz von Quecksilberhochdrucklampen (ca. 47 lm/W) oder gar Glühlampen (ca. 14 lm/W) ist die Lichtausbeute relativ schlecht. Das Fehlen lichtlenkender Elemente führt zu Blendeffekten einerseits und zu einer unerwünschten Aufhellung des Nachthimmels andererseits. Die veralteten Vorschaltgeräte verursachen zusätzliche Energieverluste. Im Lichtmasterplan wird darum eine neue Cityleuchte gefordert, deren Anschaffungskosten über die Energieeinsparung amortisiert werden sollen.
Hess hatte sich als Spezialist für Außenleuchten dem Thema Renovierung bereits angenommen und ein neues Leuchtenprogramm entwickelt, das die formalen und funktionalen Vorstellungen der Lichtplaner grundsätzlich erfüllte und noch einen weiteren Vorteil bot. Die Leuchtenköpfe lassen sich mit Hilfe eines Adapters auf die intakten, bestehenden Leuchtenmasten montieren. Somit entstehen bei der Modernisierung nur geringe Kosten für Mastenumbauten, Tiefbauarbeiten und Neuverkabelungen.

Amortisation der Leuchten durch Energieeinsparung

In Zusammenarbeit mit den Lichtplanern von Licht-Raum-Stadt wurde diese Leuchte noch etwas modifiziert, um den individuellen Anforderungen der Stadt Stuttgart optimal zu entsprechen.
Durch die Bestückung mit 35-Watt-Metalldampflampen anstatt der vorigen 50- und 80-Watt-Quecksilberdampflampen vermindert sich der Stromverbrauch gegenüber den Kugelleuchten um 45 %.
„Die neuen Leuchtenköpfe sollten sich spätestens innerhalb von 20 Jahren und damit vor dem Ende ihrer Lebensdauer amortisiert haben“, bringt Uwe Knappschneider, Geschäftsführer und Planer für dieses Projekt bei Licht-Raum-Stadt, die Wirtschaftlichkeitsberechnung auf den Punkt. Gleichzeitig leistet die Stadt durch die Umrüstung einen wichtigen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen. Bei 45 Watt Leistungsreduzierung und 4200 Benutzungsstunden beträgt die Einsparung 189 kWh pro Jahr und Lichtpunkt. Hochgerechnet auf die 150 bislang installierten Masten mit je zwei Leuchtenköpfen sind das 56.700 kWh pro Jahr. Dies erspart der Umwelt jährlich rund 30.000 kg CO2-Emissionen.

Reduzierung der Leuchtenzahl durch ausgeklügelte Reflektortechnik

Eine deutliche Steigerung der Effizienz wird durch die moderne Reflektortechnik erreicht. Während bei den Kugelleuchten zwei Drittel des Lampenlichtstroms ungerichtet verloren gehen, liegt der Anteil des Streulichts bei der Cityleuchte bei nur 2 %. Das Licht gelangt genau dorthin, wo es gebraucht wird: sei es Straße, Bürgersteig oder Platz. Auf Stuttgarter Verhältnisse übertragen bedeutet dies, dass in vielen Bereichen Leuchtenstandorte aufgegeben werden konnten. Insgesamt summiert sich so die Energieeinsparung gegenüber den Kugelleuchten somit auf weit über 50 %. Auf dem Schillerplatz im historischen Zentrum der Innenstadt beträgt die gemessene Einsparung 57 %. Der Wegfall von der Leuchtenstandorten trägt auch dazu bei, die höheren Kosten für die HIT-Leuchtmittel sowie deren Wartung zu kompensieren.
Stadtplaner Volkmer sieht darüber hinaus einen gestalterischen Vorteil: „Der Raum wird freier, so dass die raumbildenden Fassaden besser zur Geltung kommen.“ Dieser Effekt wirke sich auf dem Schillerplatz, der allseitig von herausragenden, historischen Gebäuden flankiert wird, besonders positiv aus, konstatiert Volkmer. Er war dann auch der erste Platz, der mit der neuen Cityleuchte ausgestattet wurde. Hier wurden zunächst unterschiedliche Leuchtenmodelle bemustert und es konnte alt gegen neu direkt verglichen werden. „Nach der Betrachtung der Kostenseite und Optimierung der Lichtausbeute standen nun die Tag- und Nachtwirkung der Leuchten im Kontext mit der Architektur sowie die Lichtqualität im Vordergrund“, beschreibt Volkmer das vorrangige Ziel der Bemusterung.

Einfache Montage

Die Hess-Leuchte punktete in allen Kriterien und überzeugte die Stadtplaner nicht zuletzt durch einfache Montage und Wartungsfreundlichkeit. Gegenüber den unter den Auslegern befestigten Kugelleuchten steigt die Lichtpunkthöhe durch die aufgesetzten, zylindrischen Leuchtenköpfe um 0,8 m auf 4,5 m. „Dadurch ergeben sich deutlich harmonischere Proportionen zwischen Leuchten und der innerstädtischen Bebauung“, erklärt Volkmer.

Erkennbar gesteigerte Lichtqualität

Die hervorragende Farbwiedergabe der Metalldampflampen sorgt für originalgetreue Materialfarben. Unterstützt durch die Reflektoren wird eine für Passanten weitgehend blendfreie, sehr angenehme Lichtstimmung erzeugt. „Durch die verbesserte Aufenthaltsqualität und Sicherheit bei Nacht leistet die neue Cityleuchte einen direkten Beitrag zur Attraktivität von Stuttgart“, freut sich Volkmer.